Auf TikTok ist der begleitete Modus um weitere Funktionen ergänzt worden. Welche Neuerungen sich dadurch unter anderem in der Regelung der Nutzungszeiten oder den Einblick in das Netzwerk Ihres Kindes ergeben finden Sie unter: Neue Funktionen für Familien auf TikTokÖffnet sich in einem neuen Fenster.
Social Media Plattform
Was ist eigentlich TikTok?
Hinweis für Eltern
Die kostenlose App TikTok gehört zum chinesischen Technologiekonzern ByteDance. Während TikTok zuvor unter dem Namen musical.ly für kurze, mit Musik untermalte Tanz- und Lippensynchronisations-Videos bekannte wurde, sind die Themen und Genres der Videos nahezu unbegrenzt. Ähnlich wie bei YouTube reicht die Spannbreite der Videos von Amateuraufnahmen über Mode- und Beautytrends oder Challenges und Sketches, bis hin zu professionellen Kurzfilmen, Informationen über das aktuelle Tagesgeschehen und Tipps zu den verschiedensten Themen.
Zwischenzeitlich hatte TikTok den Messengerdienst WhatsApp und die Plattform Instagram als meistgenutzter Dienst abgelöst. Laut BfDIÖffnet sich in einem neuen Fenster nutzen 20,9 Mio. Menschen in Deutschland die App jeden Monat aktiv. Insgesamt gibt es monatlich weltweit bereits 1,5 Milliarden Nutzerinnen und Nutzer. TikTok gehört damit zu den erfolgreichsten Social Media-Apps. In Deutschland wird TikTok, laut JIM-Studie von 54% der befragten Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren regelmäßig genutzt. Jedoch ist die Nutzung im Vergleich zum Vorjahr 2023 mit 59% zum ersten Mal leicht zurückgegangen.
Am meisten wird TikTok aus Langeweile genutzt (31%), aber auch um aktuelle Trends zu verfolgen (30%) und sich inspirieren zu lassen (23%) – zum Beispiel über Hobbys, Bastel- und DIY-Ideen oder Kochrezepte. Auf TikTok können sich Jugendliche mit ihren Communities je nach Interessen vernetzen und austauschen. Gleichzeitig gibt es die Möglichkeit, selbst Videos zu drehen, kreativ zu schneiden, mit Musik zu unterlegen und sie dann zu veröffentlichen.
16% der Befragten nutzen die App, um sich über das aktuelle Tagesgeschehen zu informieren. Dabei ist die Tagesschau laut JIMplus Studie 2022 die meistgenannte glaubwürdige Nachrichtenquelle auf TikTok.
Die selbstbestimmte Nutzungsform der Inhalte ermöglicht jungen Menschen, an den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen aktiv teilzuhaben und eigene Ansichten auf der Plattform zu veröffentlichen. Aufgrund dieser Bedeutung und der hohen Reichweite kann die App sowohl als Ausdrucks- als auch als Darstellungsmedium erheblichen Einfluss auf die Meinungsbildung nehmen.
TikTok lässt sich sowohl über die App als auch über den Webbrowser verwenden. Bei der Web-Version ist weder eine Kontoerstellung noch eine Anmeldung erforderlich. Beim Öffnen von TikTok befindet man sich im Für Dich Bereich, in dem automatisch das erste Video abgespielt wird. Dieser Bereich ist die Startseite der App. Hier werden Beiträge von Personen, denen man folgt, von anderen Nutzerinnen und Nutzern sowie Werbeanzeigen abgespielt – basierend auf dem Algorithmus. Damit die einzelnen Videos angezeigt werden, muss man sie von unten nach oben wischen. Bei jedem Beitrag haben Nutzerinnen und Nutzer die Möglichkeit, ihn zu liken, kommentieren, teilen, abzuspeichern oder im eigenen Profil zu reposten. Diese Funktionen sowie das Schreiben von Direktnachrichten sind bei der Web-Version aufgrund der fehlenden Anmeldung nicht möglich.
In der App gibt es im Home-Menü am oberen Bildschirmrand weiterhin die Bereiche Entdecken, Gefolgt, Shop und Live-Videos. Mit dem Bereich Shop führt TikTok eine Verkaufsplattform ein. Dort können Produkte sowohl über den Shop selbst als auch über einzelne Werbevideos direkt in der App, erworben werden. Während man im Bereich Gefolgt nur Videos von Personen sieht, denen man folgt, werden im Bereich Entdecken nur Bilder in Kacheln – ähnlich wie bei der App Pinterest – angezeigt. Zudem gibt es neben dem Home-Menü, am unteren Bildschirmrand ein eigenes Menü für Beiträge von Freunden. Damit man als Freund angezeigt wird, müssen sich zwei Nutzerinnen und Nutzer gegenseitig folgen.
In der Mitte der Anzeigeleiste, befindet sich ein Plus, über das neue Beiträge erstellt werden können. Hier öffnet sich zunächst die Kamera, über die man zudem verschiedene Einstellungen vornehmen kann. Aufgenommene Videos lassen sich schneiden, mit Musik hinterlegen und anschließend veröffentlichen oder als Entwurf speichern. Über die Anzeigeleiste gelangen Nutzerinnen und Nutzer zum Posteingang mit Gruppen- und Einzelchats sowie zu den Storys von Freunden, und zum eigenen Profil.
Im Profil sehen die Nutzerinnen oder Nutzer ihre eigenen Videos, die reposteten Inhalte anderer Personen sowie gespeicherte und gelikte Beiträge. In den Einstellungen kann die Funktion Profilaufrufe aktiviert werden. Wenn sie eingeschaltet ist, zeigt die App an, wer in den letzten 30 Tagen das eigene Profil besucht hat. Gleichzeitig sehen diese Personen auch, dass man ihr Profil aufgerufen hat. Die Anzeige funktioniert nur, wenn beide Seiten die Funktion eingeschaltet haben.
Fakten zu TikTok
TikTok darf laut AGB mit Zustimmung der Eltern ab 13 Jahren genutzt werden. Zur Registrierung werden persönliche Daten wie die E-Mailadresse oder das Geburtsdatum erfragt. TikTok präsentiert personalisierte Werbung und gibt persönliche Daten auch an Drittunternehmen unter anderem zur Auswertung des Nutzungsverhaltens weiter.
Die EU-Kommission hat ein Verfahren gegen TikTok eröffnet, da das Unternehmen gegen den Digital Service Act verstoßen haben könnte. Die Kommission wirft TikTok vor, zu wenige Schutzmaßnahmen im Hinblick auf den Jugendschutz ergriffen zu haben. Unter anderem geht es um die Frage, ob das Design der App durch den hinterlegten Algorithmus zur Entwicklung von Mediensucht beitragen könnte, ob das Alter der Nutzerinnen und Nutzer ausreichend geprüft wird, um sie vor unangemessenen Inhalten zu schützen und welche Daten für personalisierte Werbung genutzt werden. Zudem ist bekannt, dass die App nach wirtschaftlichen Interessen und staatlichen Vorgaben aus China folgt und bestimmte Inhalte zensiert.
Warum ist TikTok so erfolgreich?
Die Gründe für den großen Erfolg von TikTok sind vielfältig. Jugendliche nutzen die App unter anderem, um sich über die neuesten Trends zu informieren. Dazu gehört zum Beispiel #BookTok (Verkürzung aus Book und TikTok). Suchen Nutzerinnen und Nutzer nach diesem Hashtag, werden ihnen Beiträge über die aktuell beliebten Bücher verschiedener Genres angezeigt – darunter vielfach Empfehlungen und Berichte über die Leseerfahrung. Die große Community, die sich in TikTok rund um Bücher gebildet hat, ist nicht vergleichbar mit anderen Apps. Hier können sich Jugendliche nicht nur über die neuesten Lese-Trends informieren, sondern sich auch über ihre Lieblingsbücher austauschen. Mittlerweile gibt es TikTok-Bestsellerlisten, sodass man sich im Internet – ohne die App installieren zu müssen – über aktuelle Buchtrends informieren kann. Viele Buchhandlungen haben inzwischen eigene Bereiche für Titel eingerichtet, die auf #BookTok große Aufmerksamkeit erhalten.
TikTok ist aber nicht nur aufgrund der Möglichkeit, sich über Trends zu informieren, so erfolgreich. Die Personalisierung der App macht die Nutzung insbesondere für Jugendliche so attraktiv. Der sogenannte TikTok-Algorithmus entscheidet, welches Video in einer Endlosschleife – dem sogenannten Infinite Scroll – als nächstes angezeigt wird. Er wertet aus, welche Videos geliked, vollständig oder gar nicht angeschaut, gemeldet oder als Favorit gespeichert werden. Weiterhin wertet der Algorithmus die Nutzungsdauer, eigene Kommentare, abonnierte Konten sowie Suchanfragen und Hashtags aus. Darüber hinaus spielen Geräte- und Konto-Einstellungen eine Rolle, wie beispielsweise Interessenkategorien oder die Ländereinstellung.
Als Konsequenz dieses Mechanismus erscheinen im Verlauf zunehmend Videos, die genau auf die jeweilige Nutzerin oder den jeweiligen Nutzer zugeschnitten sind. Aus der Auswertung des Nutzungsveraltens generiert TikTok die Inhalte der Streams „Für dich“ und „Gefolgt“ die auf der sogenannten Home-Seite zu finden sind.
Herausforderungen und Gefahren auf TikTok
Infinite Scrolling
Öffnet man die App, startet sofort das erste Video. Im Für dich-Stream werden unerschöpflich individuell ausgewählte Inhalte angezeigt, die durch das ständige Nach-oben-Scrollen zu einer Dauernutzung verleiten. Dabei kann man leicht jegliches Zeitgefühl verlieren und befindet sich unter Umständen stundenlang auf der App. Reizüberflutung, Konzentrationsschwierigkeiten und Gereiztheit können mögliche Folgen sein. Wie bei einem Glücksspielautomaten, wird bei jedem Weiterscrollen die Hoffnung auf ein weiteres spannendes und lustiges Video gesteigert, was einer entsprechenden Belohnung gleicht. Dies kann zu einer Mediensucht führen. Zu einer vermuteten Mediensucht können Sie im Artikel Elternratgeber - Medienkompetenz, Mediensucht und Netiquette | Digitale Schule Hessen weiterführende Informationen erhalten. Tipps zu Digital Detox finden sich hier.
Filterblasen
Durch die beschriebene algorithmengesteuerte Anzeige der Videos befindet man sich schnell in einer Filterblase, die neben dem Einfluss auf die eigene Meinungsbildung auch Einfluss auf den eigenen Gemütszustand haben kann. In der JIMplus Studie von 2022 geben 44% der Jungen und 52% der Mädchen an, auf TikTok Hassbotschaften wahrgenommen zu haben. Einfluss auf die mentale Verfassung können auch sexualisierte oder gewaltverherrlichende Inhalte, risikoreiche und gesundheitsgefährdende Challenges oder Videos mit verstörenden Kriegsbildern nehmen. Auf ZDF Kika werden Tipps gegeben, wie der Algorithmus durch bewusstes Nicht-Kommentieren, Wegwischen und ein nicht zu Ende sehen eines Videos beeinflusst werden kann. Zusätzlich können Nutzerinnen und Nutzer unter einzelnen Videos „nicht interessiert“ anklicken. Weiterhin kann man auf der Für dich Seite den Algorithmus komplett zurücksetzen.
Einfluss auf die Meinungsbildung
TikTok kann aufgrund seiner Reichweite als weitere Sozialisationsinstanz für junge Menschen angesehen werden. Die personalisierte Anzeige kann zur Folge haben, dass sehr spezifische Themen und Sichtweisen generiert und vor allem bereits vorhandene Sichtweisen verstärkt werden. Dies kann zur Verbreitung von Falschinformationen sowie zur Reproduktion problematischer Stereotype führen. Auch die Regulierung des chinesischen Betreibers können erheblich u.a. auf politische und ökonomische Aspekte einwirken. Weiterführende Informationen hierzu finden Sie in dem Artikel Wie können soziale Medien die Demokratiebildung beeinflussen?.
Weiterhin ist bekannt, dass extreme Parteien und Personen mit extremistischer Gesinnung TikTok gezielt nutzen, um über die App junge Menschen in ihrer politischen Meinung und Haltung zu beeinflussen. Durch verschiedene kommunikative Techniken, wie zum Beispiel die permanente Nutzung der persönlichen Ansprache mit Du und das Einnehmen der Rolle eines Online-Coaches versuchen sie, eine unmittelbare Beziehung zu den Nutzerinnen und Nutzern aufzubauen, um ihre Botschaften und Ideologien zu übermitteln und neue Anhänger zu gewinnen.
Bei der Plattform werden gemeldete rechtsextreme Propagandainhalte laut jugendschutz.net nicht konsequent gelöscht. Dazu hat die EU, wie bereits genannt, ein Verfahren gegen TikTok eröffnet.
Die Rolle von Influencerinnen und Influencern und vermeintliche Schönheitsideale
Da auf TikTok teilweise sehr hohe Reichweiten erzielt werden, wird die Plattform von Influencerinnen und Influencern stark genutzt. Sie verdienen zum Beispiel durch die Platzierungen von Produkten in ihren Videos Geld. Diese Werbemaßnahmen müssen zwar als solche gekennzeichnet werden, dennoch ist die Abgrenzung zwischen Werbung und persönlicher Darstellung häufig schwer zu erkennen. In dem sie Werbung für Kosmetik oder Sportartikel machen, aber teilweise auch durch ihre eigene Inszenierung als scheinbar perfekt oder fehlerfrei, können Influencerinnen und Influencer einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung vermeintlicher Schönheitsideale beitragen und die Körperwahrnehmung junger Menschen beeinflussen. TikTok bietet Filter und Effekte, mit denen die hochgeladenen Videos angepasst und bearbeitet werden können, bevor sie geteilt werden. Insbesondere der Filter Bold Glamour steht in der Kritik, da er das Erscheinungsbild stark verändert. Weitere Informationen finden Sie hier.
TikTok Shop
Der neu eingefügte TikTok Shop ist aufgrund des Datenschutzes kritisch zu betrachten, da das Kaufverhalten der Nutzerinnen und Nutzer ausgewertet und anschließend für weitere personalisierte Produktplatzierung innerhalb des Für Dich Bereichs genutzt wird. Influencerinnen und Influencer bewerben Produkte teilweise in Live-Videos und schaffen damit für ein neues Kauf-Erlebnis, da die Käuferinnen und Käufer eine Live-Beratung erhalten. Dies führt vermehrt zu Impulskäufen. Die Shop-Altersgrenze liegt zwar bei 18 Jahren, jedoch ist dies leicht zu umgehen. Was darüber noch zu beachten ist und weitere Informationen finden Sie hierÖffnet sich in einem neuen Fenster.
Hinweise für Eltern
- Testen Sie selbst die App, beachten Sie das Nutzungsalter und richten Sie das Konto gemeinsam mit Ihrem Kind ein. Das Konto lässt sich auf Privat stellen.
- Über den begleiteten ModusÖffnet sich in einem neuen Fenster können Sie die TikTok-Nutzung in Absprache mit ihrem Kind kontrollieren und Sicherheitseinstellungen vornehmen. Auch über die Betriebseinstellungen des Smartphones können App-Limits eingerichtet werden. Mehr Informationen finden Sie unter den FAQs Informationen für Eltern | Digitale Schule Hessen
- Sprechen Sie mit Ihrem Kind über verschiedene mediale Phänomene – wie beispielsweise Cybermobbing, Cybergrooming oder Verschwörungstheorien – mit denen ihr Kind auf TikTok konfrontiert werden kann. Informieren Sie Ihr Kind auch über Belohnungssysteme, die TikTok verwendet, um Nutzerinnen und Nutzer auf der App zu halten.
- Klären Sie Ihr Kind über Meldemöglichkeiten von gefährdenden Inhalten auf. Diese kann über die Plattform selbstÖffnet sich in einem neuen Fenster oder über die InternetbeschwerdestelleÖffnet sich in einem neuen Fenster erfolgen.
Informationen...
Digitale Helden:
Digitale Helden Campus - Hilfe, mein Kind ist auf TiktokÖffnet sich in einem neuen Fenster
Internet-ABC:
TikTok und Kinder: Sicher oder gefährlich? | Internet-ABCÖffnet sich in einem neuen Fenster
ARD – Brisant.de:
Die TikTok-Armee der AfD - hier anschauenÖffnet sich in einem neuen Fenster
hr - Bildungsbox:
How To: TikTok verstehen - Funktionsweise der App und Risiken für Jugendliche | hr.de | UnterrichtsmaterialÖffnet sich in einem neuen Fenster
br - So geht Medien:
Unterrichtseinheit: Warum ist TikTok so erfolgreich? | Sekundarstufe | so geht MEDIEN (br.de)Öffnet sich in einem neuen Fenster
Bundeszentrale für politische Bildung:
Lernen mit – und über – TikTok | bpb.deÖffnet sich in einem neuen Fenster