Ein Smartphone, auf dem viele Social-Media-Apps abgebildet sind

Wie können soziale Medien die Demokratiebildung beeinflussen?

Digitale Medien bestimmen unseren Alltag. In sämtlichen Lebensbereichen werden sie unter anderem zu Kommunikations-, Unterhaltungs-, Arbeits-, Entspannungs-, Weiterbildungs- oder Dokumentationszwecken genutzt. Auch zur Information über gesellschaftspolitische Debatten und globalen Ereignisse sind sie neben Radio, TV und Printmedien ein wichtiges Instrument zur Informationsbeschaffung. Laut JIM-Studie von 2023 informieren sich junge Menschen zwischen 12 und 19 Jahren neben den Gesprächen mit Familie, Freunden und TV/ Radio vor allem über YouTube (33%), TikTok (30%) und Instagram (29%).

Welchen Einfluss kann Social Media auf unsere Meinungsbildung haben?

Verschiedene Studien – wie zum Beispiel die der Bundeszentrale für politische Bildung - bescheinigen, dass die Nutzung digitaler Medien das Vertrauen in die Politik mindert. Die Einflussnahme über digitale Medien kann daneben verschiedene demokratiegefährdende Aspekte nach sich ziehen:

  • Gepostete Inhalte können einen polarisierenden Effekt haben. Subtiles Influencing auf Social Media wird beispielweise genutzt, um Menschen zu verunsichern, Stimmungen anzuheizen und extremistische Ansichten oder Verschwörungstheorien zu verbreiten. Dies kann auch eine fortführende Radikalisierung unterstützen. Gerade rechtsextremistische Gruppierungen nutzen Social Media, um ihre fremdenfeindlichen und rassistischen Ideologien zu verbreiten. Aktuell wird auf Social Media Kanälen dazu aufgerufen, Videos zu erstellen, auf denen fremdenfeindliche Parolen zu einem Popsong skandiert werden. Mitmachenden ist dabei unter Umständen nicht bewusst, dass sie damit den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllen. Das Hessische Landeskriminalamt warnt vor dieser Online-Challenge und fordert Eltern dazu auf, ihre Kinder für extremistische und kritische Inhalte zu sensibilisieren.
  • Populismus oder extremistische Ansichten können sich in sogenannten Echokammern - wie in Gamingforen -  ausbreiten. Durch soziale Filterung finden sich Gleichgesinnte auf Social Media, die sich in ihren Positionen – wie Überzeugungen oder Auffassungen zu bestimmten politischen Themen – gegenseitig bestärken. Andere Meinungen werden ignoriert und nicht offen und sachlich diskutiert. 

Welche weiteren demokratiegefährdenden Aspekte sollten in der Nutzung von digitalen Medien beachtet werden?

Mediale Herausforderungen wie Filterblasen, Fake News, Deepfakes und Hate Speech können die Meinungsbildung beeinflussen. Folgende Faktoren sind dabei wichtig zu beachten:

  • Sogenannte Filterblasen können eine einseitige Haltung und Meinungsbildung stützen. Anhand einer technischen Filterung mittels Algorithmen präsentieren sie den Nutzerinnen und Nutzern inhaltskonforme Informationen, die auf vorangegangenen Interaktionen – wie Likes, Kommentaren oder Post-Weiterleitungen – und weiterhin auf dem Suchverlauf der genutzten Suchmaschine basieren. Das Wissen darum kann darin unterstützen, weiterführende Quellen zur Informationsbeschaffung zu nutzen. Weitere Informationen dazu finden Sie unter Zum richtigen Umgang mit Fake News, Verschwörungstheorien und Filterblasen | Digitale Schule Hessen
  • Eine kritische Beurteilung der Informationen und entsprechende Einordnung wird durch die Verbreitung von Fake News und Deepfakes erschwert. Eine Bewertung, welchen Quellen man vertrauen oder wie man manipulierte Videos oder Bilder erkennen kann, sind dabei wichtige zu erlangende Kompetenzen. Aktuelle Entwicklungen in den USA (2025) könnten auch Deutschland beeinflussen. In den USA sollen auf allen meta-Plattformen künftig Community Notes zu Falschaussagen aufklären, bei x (ehem. Twitter) besteht diese Form schon. Dabei kann eine Richtigstellung jedoch erst dann erscheinen, wenn Personen unterschiedlicher Gesinnung zustimmen. Dies kann unter Umständen verhindern, dass eine Richtigstellung erscheint. In der EU sollen vorerst die Faktenchecks unabhängiger Faktenprüfer bestehen bleiben. Rechtliche Grundlage dafür ist der sogenannte Digital Services Act. Dieser verbietet die Verbreitung illegaler Inhalte zum Schutz der Nutzerinnen und Nutzer. Weitere Informationen dazu finden Sie auch unter Zum richtigen Umgang mit Fake News, Verschwörungstheorien und Filterblasen | Digitale Schule Hessen
  • Social Media Plattformen werden auch genutzt, um Hate Speech zu verbreiten. Personen gleich welchen Alters werden u.a. aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer politischen Ansichten oder religiösen Gesinnung offen diffamiert und bloßgestellt. Laut einer aktuellen Studie des Kompetenznetzwerkes gegen Hass im Netz bekennen 57% der Befragten, dass sie sich aus Angst seltener zu politischen Meinung bekennen und 55% sich seltener an Diskussionen beteiligen. In dem Artikel Hass im Netz | Digitale Schule Hessen finden Sie weitere Informationen, wie Sie sich vor Hate Speech schützen oder wie sie Hate Speech melden können.

Über welche Aspekte sollten junge Menschen aufgeklärt werden?

Um mit jungen Menschen über demokratiegefährdende Aspekte im Rahmen der Nutzung von Social Media ins Gespräch zu kommen, gibt es verschiedene Ansatzpunkte. Dies kann beispielsweise die Thematisierung des Einflusses durch mediale Herausforderungen – wie Fake News, Deepfakes oder Hate Speech – betreffen. Weiterhin kann der Fokus auf eine Konfrontation mit Verschwörungstheorien oder mit extremistischen Ansichten und den Umgang damit gelegt werden. Junge Menschen sollten in einer respektvollen Debattenkultur geschult werden und Strategien an die Hand bekommen, wie sie extremistischen Medien- und Kommunikationsstrategien versiert entgegentreten und sich uunter anderem gegen Hass im Netz zur Wehr setzen können.

So können Eltern ihre Kinder unterstützen:

  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über das aktuelle Tagesgeschehen.
  • Unterstützen Sie dabei, Informationen hinsichtlich ihrer politischen Bedeutung einordnen zu können.
  • Thematisieren Sie, welchen Einfluss Medien auf die eigene Meinungsbildung haben können und wie dies u.a. von extremistischen Gruppierungen genutzt wird.
  • Recherchieren Sie gemeinsam mit ihren Kindern und mithilfe von altersgerechte Nachrichtenkanälen.
  • Begleiten Sie Ihr Kind in der Mediennutzung und wählen Sie gemeinsam sinnvolle, altersgerechte Apps, Soziale Medien und Suchmaschinen aus.
  • Wählen Sie die technischen Einstellungen auf dem Endgerät so, dass ihr Kind vor nicht altersgerechten Inhalten geschützt ist. Weitere Tipps dazu finden Sie auf der Seite Informationen für Eltern | Digitale Schule Hessen.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über dessen Verantwortung, wenn es selber Inhalte in Sozialen Medien einstellen möchte. Informationen zum Datenschutz und Urheberrecht, die in diesem Zusammenhang wichtig werden können, finden Sie auf der Seite Informationen für Kinder und Jugendliche | Digitale Schule Hessen.
  • Vereinbaren Sie bspw. über einen MediennutzungsvertragÖffnet sich in einem neuen Fenster Mediennutzungszeiten und Regeln für das Online-Verhalten.

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